Was hat mich bloß geritten?

“Na toll, jetzt muss der Typ schon wieder Fußball gucken. Bier trinken und mit seinen Kumpels um die Wette grölen. Sollen die das doch in einer anderen Wohnung tun. Warum muss das in unserem Wohnzimmer sein? Und ich darf die Hinterlassenschaften nachher wieder sauber machen. Als wen der Typ jemals einen Staubsauger in die Hand genommen hätte. Seit wann ist das überhaupt mein “Job”. Ich habe einen Job, du Spinner. Und der hat garantiert nicht damit zu tun, dass ich dir deinen Scheiß hinterher räume. Aber das kann ja auch gar nicht anders sein, wenn Mutti immer alles für dich gemacht hat. Du bist so ein unselbständiges Kleinkind.

Immer dasselbe mit den Männern

Aber wenn es darum geht zu saufen und sich vor der Glotze mit deinen sogenannten Freunden zu profilieren, dann bist du plötzlich erwachsen. Vielleicht kannst du dich einfach mal daran erinnern, wenn du das nächste Mal mit deinem Modellauto spielst, anstatt mich zu verführen. Modellautos, wie albern. Können sich Männer denn nie ernsthaft wie Erwachsene benehmen? Müssen die immer irgendetwas auf kindische Weise kompensieren? Wir Frauen machen das doch schließlich auch nicht. Ich hätte lesbisch werden sollen. Mit einer Frau wäre das alles bestimmt viel einfacher geworden.”

Muss das sein?

“Jetzt holt sie schon wieder den Staubsauger raus. Sie hat doch vorgestern erst staubgesaugt. Und jedes Mal muss ihr das einfallen, wenn ich gerade die Konsole zocken. Mädchen, merkst du nicht, dass du im Bild stehst? Ich kann nicht sehen, wo ich Mario hinsteuern soll. Kann sie nicht einfach mal herunterkommen? Ständig muss sie irgendetwas tun, anstatt mal ganz gemütlich auf dem Sofa zu entspannen. Sie könnte auch ruhig mal gemeinsam mit eine Runde zocken. Ständig beschwert sie sich darüber, dass wir nicht so viele Gemeinsamkeiten hätten, aber mitspielen will sie auch nicht.

Es sind doch alle Weiber gleich

Naja, wenigstens fällt ihr das Geputze nicht wieder ein, wenn die Jungs nachher da sind. Das kann man ja niemandem erklären. Deutschland spielt und die Alte hat nichts Besseres zu tun, als den Staublappen zu schwingen und den TV abzustauben. Wenn Deutschland spielt. Verdammt nochmal, wenn Deutschland spielt. Das kann doch nicht sein. Weiber haben doch alle einen Knall. Und ihre Mutter auch. Ständig muss dir hier rumhängen. Was soll das eigentlich? Ein gelegentlicher Besuch würde doch vollkommen ausreichen. Vielleicht einmal im Jahr, oder so. Aber warum muss die eigentlich jede Woche herkommen? Und dann dieses Gequatsche. Was haben sich Weiber eigentlich alles zu erzählen? Irgendwann muss doch mal alles Wichtige gesagt worden sein. Nervig.

Bin ich froh, dass ich ein Mann geworden bin. Wie schön war doch das Leben als Single. Ich konnte essen was ich will, meine Blähungen loswerden wo ich will, abhängen mit wem ich will und mich überall kratzen wann ich will. Wo sind diese schönen Zeiten nur hin? Und was hat mich eigentlich geritten, diese Freiheit für pinkfarbene Bettwäsche und Kunstpflanzen auf dem Kühlschrank einzutauschen? Und was ist überhaupt ein Plissee? Warum brauchen wir gleich zehn davon und wieso bezahlt sie solche Dinge grundsätzlich mit MEINER Kreditkarte?

Auch wenn dieser Text es vielleicht etwas übertrieben darstellt, wie Männer und Frauen ticken, amüsant ist es trotzdem die Unterschiede und Klischees näher zu betrachten.

Der Wunsch nach Einsamkeit, ohne allein sein zu wollen

Das Leben ein Single ist schon ein Traum. Zumindest der Traum vieler Paare. Sie blicken auf ihre eigene Beziehung, auf ihren Partner und wünschen sich wieder Single zu sein. Nicht zuletzt bei dem Gedankengang, dass der Partner doch vor ein paar Jahren noch ein bisschen anders ausgesehen hat. 25 Jahre ist das nun schon wieder her. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Und schnell kommt die Frage auf, wie man nur da reingeraten konnte. Es wird Zeit, dass sich etwas ändert. Toll endlich wieder Single. Jetzt kann man die Sau rauslassen. Keine Rücksicht auf den Partner, kein Heucheleien, keine langweiligen Geschichten. Dafür viel Egoismus, Freiheit und Abenteuer. Doch wo sind die Abenteuer nur?

Die Angst etwas zu verpassen

Früher sah es in der Disco aber anders aus. Da hatten die Menschen noch Klamotten an und bewegten sich zur Musik. Ich meine, dass man früher noch “Tanzen” dazu sagte. Nach Tanz sieht das hier aber nicht aus. Egal, das Antanzen wird vermutlich immer noch als die “optimale Masche” gelten. Man, wie lange war ich schon nicht mehr in einer Disco. Ich bin völlig aus der Übung. Natürlich musste es einen Korb geben. Ich habe nichts anderes erwartet. Das ist aber auch egal, ich bin Single und mir stehen alle Möglichkeiten offen. Es muss ja nicht in der Disco sein. Die war schließlich noch nie der perfekte Ort, um jemanden kennenzulernen. Gut, das kann man sich natürlich auch einreden. Aber was soll’s?! Ich bin Single und kann machen, was ich will. Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig und wenn ich alleine bleiben will, dann ist das auch meine Entscheidung.

Unter Zeitdruck

Ich bin ja schließlich nicht gezwungen mit jemandem in die Kiste zu steigen, nur weil ich jetzt nicht mehr liiert bin. Okay, ich gebe zu…das ist meine Wunschvorstellung. Ich bin Single und ich habe alle Zeit der Welt. Ich muss mich also nicht unter Druck setzen. Doch was rede ich da bloß?! So viel Zeit habe ich auch nicht mehr. Und knackig bin ich auch nicht mehr. Vermutlich dürfte es in meinem Alter eine echte Herausforderung werden, jemanden zu finden. Aber ich will doch eigentlich auch niemanden haben. Ich bin doch froh, die Beziehung hinter mir gelassen zu haben. Ich bin froh, mir keine Katzenvideos mehr anschauen zu müssen (OK manche Katzenvideos) sind auch mal gut, um sich von der Langweile abzulenken). Ich bin froh der Schwiegermutter nicht mehr glaubhaft versichern zu müssen, dass der Unfall den Sie Eintopf nennt, geschmacklich eine waschechte Explosion ist.

Die Streitereien in einer Beziehung

Und ich bin verdammt froh darüber, dass ich mich nicht mehr in der Situation befinde, die ganze Beziehung auf eine Tüte Müll zu reduzieren. Nur weil man sich mal wieder darüber streitet, wer den Müll herausbringen soll.Warum kann man sich nicht einfach ein Beispiel an der TV-Werbung nehmen, der Klügere sein und nachgeben? Einfach mal die Klappe halten, über seinen eigenen Schatten springen, den Müllbeutel schnappen und heraustragen? Warum geht das nicht? Andere Paare schaffen das doch auch, oder? Zumindest sehen diese so aus, wenn man sie beim Schlendern in der Stadt beobachtet. Sie sehen so aus, als würden sie sich nie streiten und permanent in Harmonie leben. Erwischt, ich bin neidisch.