So geht das nicht mehr weiter

Oh mein Gott, was habe ich getan? Nicht schon wieder. Jedes Mal dasselbe: die  Mädels schleppen mich in den Club, füllen mich ab und sorgen dafür, dass ich mir am nächsten Morgen SO ETWAS reinziehen muss. Du brauchst Ablenkung, sagen sie. Ich frage mich, wovon. Von meiner Trennung? Die ist nun schon viele Monate her und ich bin über ihn hinweg. So langsam aber sicher denke ich, die Mädels nutzen das nur als Vorwand, um sich im Club mal so richtig schön daneben benehmen zu können. Ich brauche ganz sicher keine Ablenkung. Und was ich erstrecht nicht brauche, ist DAS DA! Verdammt, ich trinke nie wieder Alkohol. Wie konnte es nur passieren, dass ich mit diesem Typen im Bett gelandet bin? Ich fasse es nicht. Hat der Typ da wirklich Spongebob auf der Schulter tätowiert? Oh mein Gott, was habe ich nur getan. Ich will gar nicht wissen, was genau gestern passiert ist und wie es dazu gekommen ist. Ich sollte mich ganz schnell anziehen und mich so schnell wie möglich aus dem Staub machen. Doch wo sind nur meine Klamotten? Na ganz toll. Überall verteilt. Was haben wir hier nur angestellt?

Kann es noch peinlicher werden?

Immer dieser Filmriss. Ich sollte wirklich mal meinen Alkoholkonsum überdenken. Egal, jetzt muss ich hier erst einmal raus. Und das am besten, ohne viele Geräusche zu machen. Ich weiß nur noch, dass ich auf einem Tresen getanzt habe. Echt abgefahrener Laden, dass man da tatsächlich Coyote Ugly für Amateure praktizieren kann. Gefällt mir. Da muss ich mit den Mädels nochmal hingehen. Irgendeine von denen wird schon wissen, wie der Schuppen noch gleich hieß. Aber wie ging es dann auf dem Tresen weiter? Ich meine, dass ich mein Top beim Tanzen ausgezogen habe. Oh nein, bitte lass’ mich nicht mein Top ausgezogen haben. Autsch, mein Kopf. Dem Kater nach zu urteilen, gab es auf dem Tresen ordentlich Tequila. Ich trinke nie wieder Alkohol. Pfui. Verdammt wo ist denn bloß mein zweiter Schuh? Ich komme mir gerade vor, wie Cinderella. Nur, dass mein Schuh nicht aus Glas von Manolo Blahnik ist und 300 EUR gekostet hat. Es wäre also schön, den Pump schnell zu finden, damit ich hier umgehend verschwinden kann.

Bloß schnell weg hier

Was macht er denn da für Geräusche? Er murmelt irgendetwas in seinen Bart. Seit wann stehe ich denn überhaupt auf Vollbärte? Ich kann dieser Hipster-Fusseln weiß Gott nicht ausstehen. Also wie konnte es bitte passieren, dass ich ausgerechnet mit so einem Typen im Bett lande? Ich hoffe, die Mädels waren zu diesem Zeitpunkt schon weg. Nicht, dass ich mir wieder dieses Gequatsche anhören muss. Wenn sie sich über mich lustig machen und ihre albernen Witze reißen. Das machen die jedes Mal, wenn ich mal wieder so einen komischen Kauz an Land gezogen habe. Dabei fällt mir ein, das passiert mir ziemlich oft. Ich sollte wohl mal etwas kürzer treten. Schließlich bin ich ja auch nicht mehr die Jüngste und sollte vielleicht mal über etwas Festes, Ernsthaftes nachdenken. Dann könnte ich mir auch diese peinlichen Moment sparen, in denen ich halbnackt und auf leisen Sohlen meine völlig überteuerten Schuhe suche und dabei versuche, diesen Hipster nicht zu wecken, um einer peinlichen Konfrontation aus dem Weg zu gehen.

Aufwendig aber notwendig

Und wieder neigt sich ein Tag dem Ende zu. Zum Glück hat dieses Elend von Arbeit endlich ein Ende. Naja, zumindest für heute. Sind ja nur noch vier Tage bis zum Wochenende. Auf dass dieses Elend nächsten Montag wieder von vorne anfängt. Das kann es doch nicht sein. Das ist doch kein Leben. Ich sollte dringend für Entspannung sorgen. Am besten, indem ich nach unverbindlichen Abenteuern im Internet suche. Auf dass ich mir unzählige Seiten im Netz anschaue, auf denen sich zahlreiche Frauen profilieren. Alle zeigen sich auf ihrem schönsten Selfie und ziehen dabei ein Duckface. Und wenn man sich dann trifft, dann ist der Schock groß. Was? Das bist du? Die Frau auf den Fotos? Mit der ich die ganze Zeit gechattet habe? Was ist passiert? Wie hast du es geschafft, in den letzten zwei Wochen 20 Kilo zuzunehmen? Nein, das kann es nicht sein.

Den richtigen Partner finden

Aber ich muss dieses Mal gründlicher suchen. So einen Reinfall wie beim letzten Mal muss ich nicht noch einmal haben. Erst trifft man sich zu einem Kaffee, redet stundenlang über Gott und die Welt, tut die ganze Zeit so, als wäre man der aufmerksame Zuhörer und dann fällt ihr ein, dass sie ganz dringend nach Hause muss, um ihre Katzen zu füttern. So ein Quatsch. Das hätte sie wohl auch vor dem Treffen erledigen können. Weiber. Wenn die nicht auf einen bestimmten Typ Mann stehen, sollen die es doch einfach sagen. Das kann doch nicht so schwer sein. Aber was sollen diese Lügen? Das muss doch nicht sein. Wir Männer sind doch schließlich auch ehrlich. Wenn sie mich fragt, ob sie in dem Kleid fett aussieht, dann bin ich ehrlich und sage “ja”. Nein, so etwas kommt für mich definitiv nicht mehr in Frage. Ich brauche keine Beziehung mehr. Diese ständigen Heucheleien und Lügen. Das führt doch zu nichts.

Die einfache Suche im Netz

Ich suche mir lieber einen Partner für unverbindlichen privat Sex im Internet. Ganz zwanglos, ohne Verpflichtungen. Da draußen gibt es schließlich so viele Frauen, die ebenfalls auf der Suche im Netz sind. Frauen mit den unterschiedlichsten Fantasien. Wild, hemmungslos und versaut. Vielleicht finde ich auch eine hübsche Lady, welche ebenso wie ich auf Rollenspiele steht. Und vielleicht zieht sie sich dazu auch ein sexy Zimmermädchen-Kostüm an. Das könnte heiß werden. Am besten ich suche im Internet schon mal nach freien Hotelzimmern, damit es auch gleich losgehen kann, wenn ich den passenden Partner gefunden habe. Wenn die Suche nur nicht so aufwendig wäre. So viele Seiten im Netz, auf denen Privat Sex zu finden ist und alle werden mit Millionen von Mitgliedern. Überall muss man sich registrieren, sein Profilbild hochladen um andere Profilbilder sehen zu können, Persönlichkeitstests ausfüllen, Passwörter vergeben, den AGB zustimmen und und und. Ich habe noch nicht einmal angefangen zu suchen und jetzt schon keine Lust mehr.

Internet vs. real life

Aber was soll’s?! Ich habe Lust auf Sex und welche bessere Möglichkeit gibt es, als im Internet danach zu suchen? Ich bin ja nun auch nicht extrovertierteste Typ. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste jetzt rausgehen und mich zum Beispiel in ein Café setzen, um dort aktiv Frauen anzusprechen, dann würde mir die Lust daran vergehen. Ich meine was sagt man da bloß? “Hallo, darf ich dir vielleicht einen Kaffee ausgeben?”. Dieser Spruch ist doch nun wirklich lahm. Aber so wirklich originelle Anmachsprüche fallen mir jetzt spontan auch nicht ein. Im Internet ist es doch wesentlich leichter Sexpartner zu finden. Viel Mut muss man ja schließlich nicht ausbringen, um jemanden anzusprechen. Es genügt, wenn man die Dame mit einem humorvollen und aussagekräftigen Text anschreibt. Ein “Hi, wie geht’s dir?” funktioniert nicht, wie ich bereits festgestellt habe. Es muss schon etwas kreativer sein. Doch worauf soll man sich da bloß beziehen, wenn die Frauen in ihren Profilen nichts preisgeben und bei Interessen jedes Mal dasselbe steht: “Frag’ mich doch einfach.” Und dann fragst du danach und sie antwortet nicht. Kein Wunder, dass sich die Suche nach Sex immer so lang hinzieht.

Was hat mich bloß geritten?

“Na toll, jetzt muss der Typ schon wieder Fußball gucken. Bier trinken und mit seinen Kumpels um die Wette grölen. Sollen die das doch in einer anderen Wohnung tun. Warum muss das in unserem Wohnzimmer sein? Und ich darf die Hinterlassenschaften nachher wieder sauber machen. Als wen der Typ jemals einen Staubsauger in die Hand genommen hätte. Seit wann ist das überhaupt mein “Job”. Ich habe einen Job, du Spinner. Und der hat garantiert nicht damit zu tun, dass ich dir deinen Scheiß hinterher räume. Aber das kann ja auch gar nicht anders sein, wenn Mutti immer alles für dich gemacht hat. Du bist so ein unselbständiges Kleinkind.

Immer dasselbe mit den Männern

Aber wenn es darum geht zu saufen und sich vor der Glotze mit deinen sogenannten Freunden zu profilieren, dann bist du plötzlich erwachsen. Vielleicht kannst du dich einfach mal daran erinnern, wenn du das nächste Mal mit deinem Modellauto spielst, anstatt mich zu verführen. Modellautos, wie albern. Können sich Männer denn nie ernsthaft wie Erwachsene benehmen? Müssen die immer irgendetwas auf kindische Weise kompensieren? Wir Frauen machen das doch schließlich auch nicht. Ich hätte lesbisch werden sollen. Mit einer Frau wäre das alles bestimmt viel einfacher geworden.”

Muss das sein?

“Jetzt holt sie schon wieder den Staubsauger raus. Sie hat doch vorgestern erst staubgesaugt. Und jedes Mal muss ihr das einfallen, wenn ich gerade die Konsole zocken. Mädchen, merkst du nicht, dass du im Bild stehst? Ich kann nicht sehen, wo ich Mario hinsteuern soll. Kann sie nicht einfach mal herunterkommen? Ständig muss sie irgendetwas tun, anstatt mal ganz gemütlich auf dem Sofa zu entspannen. Sie könnte auch ruhig mal gemeinsam mit eine Runde zocken. Ständig beschwert sie sich darüber, dass wir nicht so viele Gemeinsamkeiten hätten, aber mitspielen will sie auch nicht.

Es sind doch alle Weiber gleich

Naja, wenigstens fällt ihr das Geputze nicht wieder ein, wenn die Jungs nachher da sind. Das kann man ja niemandem erklären. Deutschland spielt und die Alte hat nichts Besseres zu tun, als den Staublappen zu schwingen und den TV abzustauben. Wenn Deutschland spielt. Verdammt nochmal, wenn Deutschland spielt. Das kann doch nicht sein. Weiber haben doch alle einen Knall. Und ihre Mutter auch. Ständig muss dir hier rumhängen. Was soll das eigentlich? Ein gelegentlicher Besuch würde doch vollkommen ausreichen. Vielleicht einmal im Jahr, oder so. Aber warum muss die eigentlich jede Woche herkommen? Und dann dieses Gequatsche. Was haben sich Weiber eigentlich alles zu erzählen? Irgendwann muss doch mal alles Wichtige gesagt worden sein. Nervig.

Bin ich froh, dass ich ein Mann geworden bin. Wie schön war doch das Leben als Single. Ich konnte essen was ich will, meine Blähungen loswerden wo ich will, abhängen mit wem ich will und mich überall kratzen wann ich will. Wo sind diese schönen Zeiten nur hin? Und was hat mich eigentlich geritten, diese Freiheit für pinkfarbene Bettwäsche und Kunstpflanzen auf dem Kühlschrank einzutauschen? Und was ist überhaupt ein Plissee? Warum brauchen wir gleich zehn davon und wieso bezahlt sie solche Dinge grundsätzlich mit MEINER Kreditkarte?

Auch wenn dieser Text es vielleicht etwas übertrieben darstellt, wie Männer und Frauen ticken, amüsant ist es trotzdem die Unterschiede und Klischees näher zu betrachten.

Der Wunsch nach Einsamkeit, ohne allein sein zu wollen

Das Leben ein Single ist schon ein Traum. Zumindest der Traum vieler Paare. Sie blicken auf ihre eigene Beziehung, auf ihren Partner und wünschen sich wieder Single zu sein. Nicht zuletzt bei dem Gedankengang, dass der Partner doch vor ein paar Jahren noch ein bisschen anders ausgesehen hat. 25 Jahre ist das nun schon wieder her. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Und schnell kommt die Frage auf, wie man nur da reingeraten konnte. Es wird Zeit, dass sich etwas ändert. Toll endlich wieder Single. Jetzt kann man die Sau rauslassen. Keine Rücksicht auf den Partner, kein Heucheleien, keine langweiligen Geschichten. Dafür viel Egoismus, Freiheit und Abenteuer. Doch wo sind die Abenteuer nur?

Die Angst etwas zu verpassen

Früher sah es in der Disco aber anders aus. Da hatten die Menschen noch Klamotten an und bewegten sich zur Musik. Ich meine, dass man früher noch “Tanzen” dazu sagte. Nach Tanz sieht das hier aber nicht aus. Egal, das Antanzen wird vermutlich immer noch als die “optimale Masche” gelten. Man, wie lange war ich schon nicht mehr in einer Disco. Ich bin völlig aus der Übung. Natürlich musste es einen Korb geben. Ich habe nichts anderes erwartet. Das ist aber auch egal, ich bin Single und mir stehen alle Möglichkeiten offen. Es muss ja nicht in der Disco sein. Die war schließlich noch nie der perfekte Ort, um jemanden kennenzulernen. Gut, das kann man sich natürlich auch einreden. Aber was soll’s?! Ich bin Single und kann machen, was ich will. Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig und wenn ich alleine bleiben will, dann ist das auch meine Entscheidung.

Unter Zeitdruck

Ich bin ja schließlich nicht gezwungen mit jemandem in die Kiste zu steigen, nur weil ich jetzt nicht mehr liiert bin. Okay, ich gebe zu…das ist meine Wunschvorstellung. Ich bin Single und ich habe alle Zeit der Welt. Ich muss mich also nicht unter Druck setzen. Doch was rede ich da bloß?! So viel Zeit habe ich auch nicht mehr. Und knackig bin ich auch nicht mehr. Vermutlich dürfte es in meinem Alter eine echte Herausforderung werden, jemanden zu finden. Aber ich will doch eigentlich auch niemanden haben. Ich bin doch froh, die Beziehung hinter mir gelassen zu haben. Ich bin froh, mir keine Katzenvideos mehr anschauen zu müssen (OK manche Katzenvideos) sind auch mal gut, um sich von der Langweile abzulenken). Ich bin froh der Schwiegermutter nicht mehr glaubhaft versichern zu müssen, dass der Unfall den Sie Eintopf nennt, geschmacklich eine waschechte Explosion ist.

Die Streitereien in einer Beziehung

Und ich bin verdammt froh darüber, dass ich mich nicht mehr in der Situation befinde, die ganze Beziehung auf eine Tüte Müll zu reduzieren. Nur weil man sich mal wieder darüber streitet, wer den Müll herausbringen soll.Warum kann man sich nicht einfach ein Beispiel an der TV-Werbung nehmen, der Klügere sein und nachgeben? Einfach mal die Klappe halten, über seinen eigenen Schatten springen, den Müllbeutel schnappen und heraustragen? Warum geht das nicht? Andere Paare schaffen das doch auch, oder? Zumindest sehen diese so aus, wenn man sie beim Schlendern in der Stadt beobachtet. Sie sehen so aus, als würden sie sich nie streiten und permanent in Harmonie leben. Erwischt, ich bin neidisch.